Numb3rs – Die Logik des Verbrechens

Gestern abend gesehen: Netzwerkanalyse als Thema einer TV Serie. Fakten oder nur Fiktion? In der gestrigen Folge von Numb3rs (kein Tippfehler) auf SAT1 spielte die Analyse Sozialer Netzwerke eine Hauptrolle. Falls Sie die Serie nicht kennen, die Geschichten drehen sich um Kriminalfälle, die mit Hilfe der Mathematik und verwandter wissenschaftlicher Methoden gelöst werden. Die Hauptpersonen sind zwei Brüder, Don, ein FBI Agent und Charlie, ein junger, leicht abgedrehter Mathematik-Professor. Gemeinsam lösen Sie jede Woche die vertracktesten Fälle in 45 Minuten.

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Der Sender beschreibt die Folge mit dem Namen Protest so: Auf ein Rekturierungsbüro der US Armee wird ein Bombenanschlag verübt, bei dem ein Mann ums Leben kommt. Zu diesem Anschlag bekennt sich die Gruppe Weather Underground. Ungewöhnlich ist daran, dass diese Gruppe das letzte Mal in den 70ern aktiv war. Don erhält Unterstützung von Larson, einem alten FBI Agenten in Rente, der für diesen Fall reaktiviert wird. Schnell wird klar, dass der Fall deutlich komplizierter ist, als auf den ersten Blick gedacht …

Bei dieser Gelegenheit wird ein Bombenanschlag aus den 70ern gleich mitgeklärt, es war nicht der damals vermutete Täter. Charlie setzt die Netzwerkanalyse ein und untersucht das Netzwerk von Weather Underground auf Verbindungen.  Auf diese Weise findet er heraus, dass eine Person, die nie verdächtigt wurde, eine sehr zentrale Position in diesem Netzwerk inne hatte. Nach den krimitypischen Irrungen und Wirrungen stellt sich heraus, dass genau diese Person den damaligen Anschlag verübt hatte. Natürlich gibt es auch einen Bezug zum aktuellen Anschlag, so dass dieser dann mit ein wenig Polizeiarbeit ebenfalls geklärt wird. Wie immer bei dieser Serie stellt sich der Zuschauer die Frage, wie real der Einsatz mathematischer Modelle zur Verbrechensbekämpfung denn nun ist. Sieht man einmal davon ab, dass in 45 Minuten einer Unterhaltungssendung ein komplexer Ansatz nur oberflächlich erklärt werden kann, so gibt es doch im Internet einige Quellen, die Beispiele für die Anwendung eben solcher Methoden durch amerikanische Sicherheitsbehörden liefern.

  • So erläutert Bruce Hoppe in seinem empfehlenswerten Blog Connectedness, dass der Enron Skandal im Jahr 2005 auch mit Unterstützung einer Netzwerkanalyse der internen Email-Kommunikation aufgedeckt und nachgewiesen wurde. Er bezieht sich dabei vor allem auf diesen Artikel, der in der New York Times erschienen ist (zum Lesen ist eine kostenlose Registrierung notwendig).
  • Valdis Krebs, einer der führenden Netzwerkanalytiker mit 20 Jahren Erfahrung, war maßgeblich an der Analyse des Netzwerks, das hinter den Anschlägen des 11. September 2001 stand (World Trade Center), beteiligt. Über seine Ergebnisse berichtet er hier. Sehr lesenswert alleine schon wegen der praktischen Beispiele für Netzwerk-Visualisierung und für die Veranschaulichung der wesentlichen Begriffe der Netzwerkanalyse (Degrees, Betweenness, Closeness und Centralization). Seine Untersuchung kommt übrigens in einem Kernaspekt zu dem gleichen Ergebnis, wie die Ermittlungsbehörden: Mohamed Atta war die zentrale Figur des Netzwerks.
  • Etwas skeptischer beurteilt The International Libertarian Blog die Möglichkeiten der Netzwerkanalyse bei der Ermittlung von kriminellen und terroristischen Netzwerken, bestätigt aber ebenfalls deren Anwendung durch amerikanische Sicherheitsbehörden.

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