Live von Corfu – Sunbelt Tag 3

Der dritte Tag war für mich derjenige mit den wenigsten Konferenzaktivitäten. Aber nicht aus Faulheit (ich habe die freie Zeit zum Arbeiten genutzt), sondern wegen der Themenschwerpunkte. Heute ging es viel um Themen wie Gesundheit (wie breiten sich Epidemien aus), Klimawandel, Verbrechensnetzwerke etc. Alles zweifelsohne interessante und wichtige Themen, aber bei der Fülle an Präsentationen hier (über 500 an 5 Tagen!), habe ich beschlossen, mich auf die für mich beruflich wichtigen Vorträge zu beschränken. Auch so fällt es schon schwer, alles Gehörte zu erinnern. Dieser Artikel wird darum kürzer als der gestrige.

Ein nur indirekt beruflich bedeutsames Thema konnte ich dann aber doch nicht umgehen. Fußball und Netzwerkanalyse war der Inhalt gleich zweier Präsentationen. Das ist eine Kombination, die mich nicht kalt läßt, zumal ich bereits im letzten Jahr, nach nur wenigen Wochen Beschäftigung mit der Sozialen Netzwerkanalyse, daran gedacht habe, die Bundesliga einmal netzwerkanalytisch aufzuarbeiten. Keine so einzigartige Idee, wie sich hier herausstellte.

Die erste Präsentation (eine österreichisch-deutsche Koproduktion) befasste sich vorrangig mit den großen europäischen Clubs und ihren Transfers. Dass deutsche Vereine dabei nur am Rande in Erscheinung traten, lag an dem Kriterium mindestens ein Transfer über 25 Mio Euro.

Die erfassten Daten waren mächtig, die Ergebnisse nicht ganz so: Es läuft darauf hinaus, dass die großen (Juventus Turin, die beiden Mailänder Clubs und der FC Chelsea) immer wieder gut ausgebildete Spieler der Vereine der darunter liegenden Kategorie kaufen (die das ebenso tun) und sie zum Teil auch untereinander transferieren. Am Ende der Verwertungskette steht Real Madrid. Fressen und gefressen werden.

Die Begründung dafür, dass diese Kette relativ stabil ist, kommt auch bekannt vor. Die fraglichen Top-Vereine haben bessere externe Einnahmequellen (Fernsehgelder, Korruption, Berlusconi, Abramowitsch) als die Vereine, die ihr Heil in der immerwährenden Aus- und Weiterbildung neuer Spieler suchen müssen.

Bayern München und Borussia Dortmund tauchten übrigens nur in der Peripherie auf, Schalke 04 habe ich gar nicht finden können. Eine offene Frage ist mir geblieben: Warum steht der CF Barcelona nicht ebenfalls im Zentrum des Netzwerks?

 

Der zweite Vortrag zum Thema Fußballnetzwerke – gehalten vom großartigen Entertainer, Fußballfan (Leeds United) und stolzem Mitglied der Fußballstatistiker-Vereinigung Patrick Doreian – konzentrierte sich auf die englische Premier League. Mr. Doreian untersucht die Spielerbewegungen in und durch die Vereine der EPL und unterscheidet dabei vor allem nach Nationalität der Spieler. Sein großes Ziel: Irgendwann alle Spielerbewegungen seit den 80ern in der EPL erfasst und ausgewertet zu haben, sowie die Rolle der Transferberater dabei zu klären.

Viel Erfolg Patrick und danke für die zur Verfügung gestellte Präsentation!


Über diesen Beitrag