Die wichtigsten Indikatoren für Netzwerker – Teil 3

Fortsetzung – Teil 1, Teil 2

Bisher wurde festgestellt, dass Wachstum der Netzwerkgröße und die Zunahme der internen und externen Vernetzung zwar wesentliche Netzwerkziele sein können, aber in Abhängigkeit von den inhaltlichen Netzwerkzielen nicht sein müssen. Losgelöst kann Wachstum sogar kontraproduktiv wirken.

Wie sieht es mit dem vierten genannten wesentlichem Indikator aus?
Zur Erinnerung: Im eingangs zitierten Artikel, auf den sich diese Serie bezieht, spricht Valdis Krebs von diesem vierten Indikator:

Zunahme an Projekten, die aus den ersten drei Aspekten
entstehen um Wertschöpfung aus den Vernetzungen zu
erzeugen.

Meine "Wachstumskritik" gilt auch hier, allerdings nur eingeschränkt. Zunahme an Projekten kann nicht das vorrangige Ziel sein, Zunahme an Wertschöpfung schon. So wie (fast) jedes Unternehmen auf Umsatz- und vor allem Gewinnwachstum setzt, tun dies Netzwerke, die einen Geschäftszweck verfolgen, auch. Das ist eine betriebswirtschaftliche Grundannahme – Kritik daran ist ebenfalls nicht unüblich, soll hier aber nicht reflektiert werden.

Anstelle dessen möchte ich zwei Indikatoren vorstellen, die mir ergänzenswert scheinen und die deshalb auch in den NetzwerkControlling-Projekten der PZN Kooperationsberatung erfasst werden.

Informationsfluss im Netzwerk

Im zweiten Teil haben Sie schon gelesen, dass ich in der Regel die Qualität der Verbindungen über deren Anzahl stelle. Es gibt viele mögliche Ausprägungen von Verbindungsqualität, in einem Vertriebsnetzwerk wird das z.B. der generierte Umsatz sein. In den meisten Fällen fließen über diese Verbindungen aber Informationen (auch im Vertriebsnetzwerk), also möchte ich diese Eigenschaft in den Vordergrund stellen.

 

Netzwerkkommunikation / © Pixelio

Konkret gemessen wird die Fähigkeit eines Netzwerkes, einen guten Informationsfluss herzustellen. Dazu genügt es zunächst, die durchschnittliche sowie die maximale Entfernung zwischen den beteiligten Knoten zu erkunden. Wie zuvor erwähnt, sind Verbindungen ersten und zweiten Grades optimal, über weitere Entfernungen verläuft die Kommunikation nicht mehr zuverlässig.

Im weiteren erfolgt eine Anreicherung um weitere Qualitätsfaktoren (wie den Umsatz), um das Bild vom Informations- und Kommunikationsnetzwerk abzurunden und Erklärungsbeziehungen zwischen dem gewünschten Ergebnis und der vorgefundenen Netzwerkstruktur herstellen zu können.

Nur ergänzend sei noch einmal erwähnt: Die Bedeutung des Indikators Informationsfluss hängt entscheidend von den Zielen des Netzwerkes ab.

Damit wären wir beim zweiten Indikator für Netzwerker angelangt, den ich für ergänzenswert halte.

Netzwerk-Stabilität und Engpässe

Das sind natürlich eigentlich zwei Indikatoren, die aber in einem starken kausalen Zusammenhang stehen.

Engpässe (sog. Bottlenecks) entstehen, wenn ein Netzwerkknoten überlastet wird, weil ein Großteil der Beziehungen (nur) über ihn verläuft. Dieser Knoten wird sehr schnell zur Bremse im Netzwerk, wenn er die erforderlichen Transaktionen (welcher Art auch immer) nicht in der notwendigen Zeitspanne abarbeiten kann. Fatal wird ein Flaschenhals immer dann, wenn er teilweise oder vollständig ausfällt, was z.B. durch Krankheit oder Ausscheiden aus dem Netzwerk geschehen kann.

Wie entstehen Bottlenecks?

  • Expertenwissen, das im Netzwerk häufig benötigt wird, aber nur einmal vorhanden ist (und als Königswissen evtl. bewußt nicht geteilt wird).
  • Überengagierte Kümmerer neigen ebenso wie Menschen mit starkem Kontrollbedürfnis dazu, Prozesse an sich zu ziehen. Netzwerkmanager und andere "Netzwerkhäuptlinge" können so zur Gefahr für den Netzwerkerfolg werden, den sie mit ihrem Einsatz eigentlich sichern wollen.
  • Uns allen sind bürokratische Prozesse bekannt, in denen eine Entscheidung, eine Veröffentlichung oder eine Lieferung erst von einer zuständigen Stelle geprüft werden muss. Hintergrund ist meist eine Qualitätssicherungsrichtlinie.
  • Stellenabbau und Unterbesetzung von Abteilungen.

Sichtbar werden solche Engpässe schnell bei der Visualisierung von Netzwerken, spürbar werden sie durch unzureichende Ergebnisse der Netzwerkarbeit und häufig durch Unzufriedenheit und Reibereien unter den Mitgliedern. Messbar sind sie zum Einen durch normale Methoden der Netzwerkanalyse, zum Anderen durch Erhebung von Durchlaufgeschwindigkeiten.Netzwerk / © Pixelio

Netzwerk-Instabilität entsteht aber nicht nur durch Engpässe, sondern auch durch das Gegenteil: Einheiten oder Gruppen, die nur schwach in das Netzwerk eingebunden sind. Solche Gruppen können von Außen oder durch eigenen Antrieb relativ leicht aus dem Verbund gelöst werden.

So setzen manche Strategen gezielt darauf, Kunden aus dem Vertriebsnetzwerk der Konkurrenz heraus zu lösen. Dazu gehen sie nach dem Jagdprinzip der Raubkatzen vor: Das Tier, das sich am weitesten von der Herde entfernt, wird angeschlichen und zur Strecke gebracht. Übersetzt: Zu den Kunden, die aus irgendwelchen Gründen nur schwach im Netzwerk verankert sind, werden Verbindungen hergestellt, die gezielt bearbeiten, um ihn davon überzeugen, dass andere Löwen – Entschuldigung, Anbieter – viel schärfere Produkte haben.

Fazit

Diese kleine Artikelserie ist länger geraten, als ursprünglich geplant und dennoch keine erschöpfende Darstellung. Darum sind wie immer Ihre Kommentare sehr erwünscht. Mein Beitrag zum Thema Indikatoren für Netzwerker ist mit der folgenden Zusammenfassung aber (zunächst) beendet.

Der Einsatz von Netzwerkanalysen ist sehr geeignet zum Controlling des Netzwerkmanagements. Wie für Valdis Krebs gibt es dabei auch für mich (und in den entsprechenden Projekten meiner PZN Kooperationsberatung) vier Hauptindikatoren:

  • Vernetzungsgrad
  • Optimale Netzwerkgröße
  • Informationsfluss im Netzwerk
  • Stabilität und Engpässe im Netzwerk

Bei aller vorhergehenden kritischen Auseinandersetzung wird deutlich, dass sich die Ansätze eher in ihren Ausgestaltungen, denn in der grundsätzlichen Auffassung unterscheiden. Wenn man den Unterschied auf den Punkt bringen will, steht für mich bei allen Faktoren die Optimierung, nicht die Maximierung im Vordergrund.


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